„Einfach reisen – wie alle anderen auch“
Rollstuhlgerechtes Reisen, Details mit großer Wirkung und warum der Austausch so wichtig ist: Lisa Maria
Wagner aus Bayern weiß aus eigener Erfahrung, worauf es unterwegs am meisten ankommt.
Lisa, du bist reisefreudig und viel unterwegs. Was ist dir dabei am wichtigsten und was heißt für dich „barrierefrei“?
Lisa: Barrierefrei umfasst ja viele unterschiedliche Bedürfnisse, deshalb spreche ich eher von „rollstuhlgerecht“. Es
darf keine Stufe geben und das gesamte Areal sollte funktionieren, vom Parkplatz bis zum Pool. Ein Aufzug allein
reicht da nicht. Gerade Kleinigkeiten entscheiden darüber, ob etwas wirklich funktioniert. Zum Beispiel sind schwere
Brandschutztüren oder unzugängliche Wege allein nicht nutzbar.
Für mich persönlich ist es wichtig, komplett unabhängig ohne Begleitperson reisen zu können, spontan losrollen, mir
etwas zu essen holen oder zwischen Bühnen wechseln, ohne Hilfe zu brauchen. Fast jeden Urlaubstag verwende ich
zum Reisen, ich liebe Festivals, Städtereisen und neue Orte. Da möchte man einfach reisen wie alle anderen auch.
Hast du besonders positive oder auch negative Erfahrungen gemacht?
Lisa: Beides. Ich hatte schon Hotels, in denen wirklich alles selbstverständlich funktioniert hat, das fühlt sich richtig
gut an. Aber ich hatte dieses Jahr auch ein Wellnesshotel, bei dem das Zimmer eigentlich perfekt war: groß genug,
passende Betthöhe, geräumiges Bad. Und dann fehlte nur ein Duschrollstuhl.
Das klingt erst einmal nach einem Detail.
Lisa: Genau das ist der Punkt. Viele denken: „Dann nimmt man halt einen Hocker.“ Aber ein normaler Hocker ohne
Lehne oder Armstützen kann für Rollstuhlfahrende gefährlich sein. Gerade in einer nassen Dusche braucht man
Stabilität. Das zeigt, dass echte Barrierefreiheit oft an kleinen Dingen scheitert, die Menschen ohne eigene Erfahrung
gar nicht auf dem Schirm haben.
Was könnten Hotels konkret besser machen?
Lisa: Die wichtigste Empfehlung wäre, Betroffene anzusprechen und ins Boot zu holen, Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind. Das passiert zum Glück immer öfter. Viele Probleme erkennt man ja sonst gar nicht. Da gibt es zum Beispiel riesige Duschen mit
Sitzbank, aber die Armatur ist so weit entfernt, dass man sie vom Sitz aus nicht bedienen kann. Auf dem Papier wirkt alles perfekt, praktisch funktioniert es aber nicht überall.
Stichwort Reiseplanung: Wie wichtig sind für dich persönliche Erfahrungsberichte?
Lisa: Enorm wichtig. Über Instagram oder Reiseblogs tauscht man sich aus und vertraut Menschen mit derselben Perspektive, die vor Ort waren und wissen, ob das wirklich funktioniert oder nur „rollstuhlgerecht“ auf der Website steht. Ich bekomme selbst regelmäßig Nachrichten mit Fragen zu Hotels oder Reisezielen und gebe meine Tipps gern weiter. Dieser Austausch innerhalb der Community hilft doch allen. Das gilt auch für die Plattform „Reisen für Alle“, mit interaktiver Karteund vielen Filtermöglichkeiten, die ich für mich entdecke.